English in Britain

Die viel versprechende Unordnung im Café von Bettina Heimsoeth

Was weist auf ein geistig anregendes Klima in einer Sprachschule hin?

Haben Sie schon einmal eine Sprachenschule in England gesucht? Allein in London gibt es an die 100 Privatschulen zur Auswahl, die Universitäten kommen hinzu. Was macht guten Unterricht aus, wo finde ich anregende Gastfamilien, wo Spezialkurse? Antwort auf all diese Fragen weiß Daniel Baruch in Frankfurt.

Daniel Baruch, gebürtiger Brite und Wahl-Frankfurter, begnügt sich nicht mit den Versprechungen in Schulprospekten. Er besucht die Sprachschulen selbst, die der beurteilen möchte. „110 Sprachschulen in Großbritannien und Irland habe ich gesehen und bis zu acht Mal besucht. Und nur bei einer Minderheit habe ich ein wirklich gutes Gefühl“, sagt er. „An rund 20 Schulen vermittle ich – für die Kursteilnehmer kostenlos – 90 Prozent meiner Kunden.“ Und die meisten seien sehr zufrieden, freut er sich, schrieben ihm begeisterte Briefe und kämen wieder.

Anfang der 90er-Jahre fiel dem studierten Friedensforscher, der damals nach einer Zeit als Lektor an der Universität Rostock als Sprachlehrer für deutsche Firmen im Rhein-Main-Gebiet zuständig war, der Mangel auf: Wer eine Sprachenschule sucht, ist einfach überfordert. Schon schlichte Fakten wie Klassengröße, Unterrichtsstruktur und Preise herauszufinden, ist bei der Vielzahl der Angebote extrem aufwändig. „Das, was wirklich einen guten Unterricht ausmacht, lässt sich aber vor dem Besuch der Schule überhaupt nicht erkunden“, ist Baruch überzeugt. Er wollte Abhilfe schaffen.

Lernen muss Spaß machen

„Anregende, aktive Lehrer und eine gute, lebendige Atmosphäre, in der Lernen gefördert wird und Spaß macht, ist mir extrem wichtig“, betont der Experte. Die sieht er etwa an unordentlichen Schulcafés. „Ich muss erkennen können, dass hier Schüler und Lehrer wirklich zusammengesessen und miteinander gesprochen haben.“ Auch die Anwesenheit des Schulleiters, der sich kümmert und die Schule prägt, sei ein gutes Zeichen. Und die tatsächliche Größe der Klassen – nicht die in den Prospekten garantierte Maximalgröße – sei entscheidend. „Kenne ich eine Schule gut, dann kann ich auch anrufen und nach den Nationalitäten der Schüler in einer Klasse fragen.“ […]So legt Baruch auch großen Wert auf geeignete Gastfamilien. „Sie müssen zu ihren Gästen passen, Interesse an ihnen haben und mit ihnen diskutieren wollen. Denn nur so lässt sich eine Sprache wirklich lernen.“ Vor allem in kleinen Städten, so hat er erfahren, finden sich solche Familien.Da vermag Baruch dann auch sehr spezielle Wünsche zu erfüllen. Einen Bankfachmann vermittelte er etwa an ein pensioniertes Banker-Ehepaar, das zudem als Sprachlehrer ausgebildet war. Abends nach dem intensiven Einzelunterricht lud das Paar Freunde und Bekannte ein, mit denen weiter über aktuelle Bank-Themen diskutiert wurde. Manchmal allerdings müssen sich auch die Kunden überzeugen lassen. „Anwälte als Sprachlehrer in der englischen Provinz, die ließen sich dann doch nur schwer finden“, erzählt Baruch. „Für solch einen Wunsch sollte ein Sprachschüler besser nach London gehen.“ […]

Handelsblatt, 20. September 2002

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